Aktuelles


18.02.2016

Zypern weitet Couponsystem für private Gesundheitsleistungen aus

Viele Menschen auf Zypern müssen derzeit mit langen Wartezeiten im öffentlichen Sektor des Gesundheitswesens rechnen. Um die gesundheitliche Versorgung zu gewährleisten, können Patienten auch Coupons erhalten, um sich in Privatkliniken behandeln zu lassen. Das Gesundheitsministerium will diese Maßnahme nun deutlich ausweiten, um mehr Patienten helfen zu können. Öffentliche Krankenhäuser sollen so entlastet und Menschen mit niedrigem Einkommen, die keine privaten Leistungen in Anspruch nehmen können, unterstützt werden.

Das Couponsystem kommt Menschen zugute, die in einem öffentlichen Krankenhaus nicht behandelt werden können oder die mehr als sechs Monate auf eine Behandlung warten müssen. Darunter fallen zum Beispiel Herz- und Augenoperationen, Bestrahlungen und MRTs. Die Leitung des zuständigen Krankenhauses stellt ein Schreiben für die Patienten aus, mit dem sich die Patienten an das Gesundheitsministerium wenden müssen. Dieses entscheidet dann über die Ausstellung eines solchen Coupons. Rund 12 Millionen Euro sollen in die aktuelle Ausweitung der Maßnahme investiert werden.

Mit dem Coupon wird innerhalb einer Frist ein bestimmter Teil der Behandlungskosten übernommen. Patienten können eine Privatklinik wählen, in welcher der Coupon die Leistung komplett deckt. Sie können sich aber auch in einer teureren Privatklinik behandeln lassen und die Differenz übernehmen.

Das Couponsystem kann das Gesundheitssystem jedoch nur für kurze Zeit entlasten. Auf lange Sicht ist die Einführung eines neuen Gesundheitssystems in Zypern geplant, wodurch die Leistungsfähigkeit öffentlicher Krankenhäuser langfristig gesteigert werden soll und Wartezeiten verkürzt werden sollen.

Die Maßnahme läuft seit April 2015. Bis Oktober 2015 wurden bereits 270 Patienten für Herzoperationen an private Kliniken überwiesen (22,8 Prozent der Wartenden) sowie 294 Patienten für Augenoperationen (7,7 Prozent der Wartenden).

Im Jahr 2013 mussten Patienten zwischen einem und 24 Monaten auf eine Operation warten, je nach Dringlichkeit der Behandlung. Beispielsweise mussten Patienten in Zypern ein Jahr lang warten, bis ihr grauer Star operiert wurde – in Spanien und Finnland betrug die Wartezeit laut der Gesundheitsstatistik der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) durchschnittlich 100 Tage, im Vereinigten Königreich 70 Tage und in den Niederlanden 30 Tage. Einkommensschwache Menschen waren in Zypern besonders betroffen: 6,6 Prozent der Menschen aus der untersten Einkommensschicht gaben an, medizinisch nicht versorgt worden zu sein, während es bei den Menschen mit dem höchsten Einkommen nur 0,8 Prozent waren.

Informationen zum Gesundheitssystem in Zypern und zu den Leistungen bei Krankheit in allen weiteren EU-Staaten erhalten Sie in der Datenbank „Sozialkompass Europa“ unter www.sozialkompass.eu

« Zurück zur Übersichtsseite

Aktuelles zum sozialen Europa

Die Datenbank “Sozialkompass Europa” bietet auf ihrer Website jetzt auch aktuelle News und Informationen zum Thema soziale Sicherung in der EU. Außerdem finden Sie wöchentlich online Neues rund um den Sozialkompass Europa. Diese Infos können Sie mit einem Newsreader lesen oder in Ihr Weblog einbinden.

Aktuelles abonnieren

Wenn Sie das Newsangebot des Sozialkompass Europa regelmäßig lesen möchten, können Sie es im Internet-Nachrichtenformat RSS (Really Simple Syndication) kostenlos erhalten. Klicken Sie dazu auf den unten stehenden Button und folgen Sie den weiteren Hinweisen. Detaillierte Informationen zum RSS-Feed des BMAS und den Nutzungsbedingungen finden Sie hier.

RSS Feed abonnieren RSS Feed abonnieren