Aktuelles


20.01.2015

Neuregelung für bessere Vereinbarkeit von Pflege und Beruf

Pflegende Angehörige können jetzt für bis zu zehn Tage der Arbeit fernbleiben, um in einer dringenden Situation die Pflege selbst sicherzustellen oder bedarfsgerecht zu organisieren. Für diese Zeit können sie eine Lohnersatzleistung von 90 Prozent ihres Nettolohns erhalten, das sogenannte Pflegeunterstützungsgeld. Ausgenommen von der Regelung sind allerdings kleine Betriebe mit 15 oder weniger Beschäftigten.

Beantragt wird das Pflegeunterstützungsgeld bei der Pflegeversicherung des Familienmitglieds, das die Pflege benötigt. Nach dem neuen Pflegezeitgesetz, das seit Anfang 2015 gilt, können Mitarbeiter von Arbeitgebern mit 15 oder mehr Beschäftigten bis zu sechs Monate ganz oder teilweise aus dem Beruf aussteigen, um einen Angehörigen zuhause zu pflegen. Beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben können sie für diese Zeit ein zinsloses Darlehen beantragen, um ihre Einkommensverluste abzufedern.

Außerdem haben pflegende Angehörige jetzt Anspruch darauf, maximal 24 Monate lang die Arbeitszeit auf bis zu 15 Stunden pro Woche zu reduzieren, um einen nahen Verwandten in häuslicher Umgebung zu pflegen. Auch dazu kann ein zinsloses Darlehen gewährt werden. Die neu eingeführte Familienpflegezeit gilt aber erst ab einer Unternehmensgröße von 26 Beschäftigten. Außerdem kann man sich vollständig oder teilweise für bis zu drei Monate freistellen lassen, um einen schwerkranken nahen Angehörigen in der letzten Lebensphase zu begleiten.

Als nahe Angehörige gelten Großeltern, Eltern, Schwieger- und Stiefeltern, Ehegatten, Lebenspartner, Partner einer eheähnlichen und lebenspartnerschaftsähnlichen Gemeinschaft, Geschwister, Schwägerinnen und Schwäger, Kinder, Adoptiv- oder Pflegekinder, Adoptiv- oder Pflegekinder des Ehegatten oder Lebenspartners, Schwiegerkinder und Enkelkinder.

Durch die neuen Regelungen sind Beschäftigte nun nicht mehr gezwungen, im Pflegefall ihren Job ganz aufzugeben. Das Gesetz zur besseren Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf soll damit nicht nur die betroffenen Familien, sondern auch die Wirtschaft entlasten.

Der Mindestlohn in der Pflege beträgt seit dem ab 1. Januar 2015 in den alten Bundesländern 9,40 Euro pro Stunde und 8,65 Euro in den neuen Bundesländern. Damit liegt er über dem gesetzlichen Mindestlohn. Der Pflegemindestlohn gilt für alle in- und ausländischen Betriebe, die ambulante, teilstationäre oder vollstationäre Pflegeleistungen oder ambulante Krankenpflegeleistungen erbringen. Dort, wo der spezielle Pflegemindestlohn nicht gilt – wie beispielsweise in Privathaushalten – ist seit Jahresbeginn der allgemeine gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro zu bezahlen.

Ab dem 1. Oktober 2015 soll der Kreis der Personen ausgeweitet werden, für die der Pflegemindestlohn gezahlt werden muss. Dann haben auch die in Pflegeunternehmen beschäftigten Betreuungskräfte von demenzkranken Menschen, Alltagsbegleiterinnen sowie Assistenzkräfte Anspruch auf den Pflegemindestlohn. Bis Januar 2017 wird er schrittweise weiter erhöht, und zwar in den alten Bundesländern auf 10,20 Euro pro Stunde und auf 9.50 Euro in den neuen Bundesländern. Den Mindestlohn in der Pflegebranche gibt es bereits seit Mitte 2010.

Weitere Informationen zur Pflegezeit und zur Familienpflegezeit finden Sie hier

Genauere Angaben zum Mindestlohn für Pflegeberufe erhalten Sie hier

Über die verschiedenen Systeme der Pflegeversicherung in den einzelnen EU-Staaten können Sie sich in der umfangreichen Datenbank Sozialkompass Europa sowie in der entsprechenden Begleitpublikation informieren.

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